Den Brief zu Ende gelesen, faltete Kishari ihn wieder sorgsam zusammen. In ihrer Umgebung hatten sich all ihre Freunde versammelt und doch schwiegen sie. Es war eine fast greifbare Spannung, die sich aufgebaut hatte. Außer ihr hatte immerhin niemand die Worte lesen können. Ein wenig gerührt und zugleich zornig ließ sie das Papier ein wenig in der Hand wippen und kaute sich auf der Unterlippe herum.
"Ach Süße, wenn du das machst, dann bist du meist nicht weit von einem Vulkanausbruch entfernt", meinte Babs und blickte besorgt drein.
Kishari lachte leicht, doch mehr erbost und stand dann auf. "Er denkt, dass mir irgendetwas passieren könnte. Lieber lässt er mich hier zurück, mit dem Denken, dass es mir hier gut geht. Während er auf dieser dummen Mission vielleicht stirbt und ich ihn nicht wiedersehe. Aber neihein...der Herr muss ja unbedingt seinen dummen Dickschädel durchsetzen und anstatt mit mir in Ruhe darüber zu reden und sich mal anzuhören was ich davon halte, reitet er lieber still und heimlich in der Nacht los und lässt mich zurück!" Und wie nah sie vor einem zornigen Ausbruch stand. Während ihrer Worte hatte sie den Brief leicht zerknüllt und damit herumgefuchtelt. "Er hat mich zurück gelassen und denkt sicher noch, dass er so ein vorausschauender Held ist. Von seinem Schmerz schreibt er. Seinem Schmerz! Aber scheinbar schmerzt es nicht genug mich zurückzulassen. Wenn ich den in die Finger bekomme..." Den letzten Satz knurrte sie ungehalten und schulterte ihr Gepäck. "Wo geht es nach Castia?"
Babs konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und deutete in die entsprechende Richtung.
"Danke." Es klang zwar nicht sehr dankbar, aber in ihrem Zustand war dies auch wirklich nicht zu verlangen.
"Moment noch", meinte Babs und zog die junge Frau an sich, um sie zu drücken.
Die Frauen gaben ihr noch ein Säckchen mit Verpflegung und die Männer grinsten breit.
"Tritt ihm ganz kräftig von mir in den Hintern", meinte Toni und verabschiedete sie.
Kishari war fast ein wenig ruhiger, als sie nun bei Korykos ankam und aufsaß. Doch von dieser Ruhe würde Aran wohl nicht viel merken, wenn sie ihn zu Gesicht bekam. Den Kompass aufschlagend machte sie die Richtung aus und ritt dann in eiligem Tempo los.
