Re: Die Hohe See
von Aiya » So 5. Dez 2010, 12:31
Lachend winkte Amon mit der Hand ab. "Scheinbar klang ich wesentlich ernster als ich es gemeint hatte." Ihre sensible Reaktion überraschte ihn. Bislang war es nicht wichtig gewesen, ob er durch Worte gekränkt wurde. Man trat ihn die meiste Zeit mit Stiefeln, wenn er schon am Boden lag. Celestine war mitunter die Erste, die ihn mit Respekt behandelte und ihn scheinbar für gleichgestellt hielt. Dies war eine seltene Erfahrung, doch sie war sehr angenehm. "Immerhin ist es mein Leben. So wirklich schrecklich kann es nicht gewesen sein, wenn ich noch lache", versuchte er sie etwas aufzuheitern. "Ich möchte nur, dass Ihr wisst, dass Ihr ein Angebot abschlagt, sollte man Euch das freie Leben auf der Straße anbieten. Es ist nicht im geringsten frei, oder gar ehrbar. Und auch nicht sauber und stolz. Um sein Überleben zu kämpfen, Tag für Tag tut man eigentlich nur Dinge, die keineswegs mit Ehre zu tun haben. Am Ende muss man vergessen, um sich nicht zu übergeben, wenn man daran denkt was man alles getan hat." Es war durchaus so, dass man irgendwann abstumpfte und Dinge hinnahm. Egal wie grausam oder dreckig sie waren. "Wenn Ihr nach Freiheit sucht, dann würde ich euch empfehlen die Definition von Freiheit zu überdenken." Im Endeffekt war niemand frei. Weder ein Straßendieb, noch ein König.