Re: Avilion Stadt - Fürstentum Avilion
von Stööö » Mi 1. Apr 2009, 13:40
Wer meinen Charakterbogen gelesen hat, der muss den folgenden Textkorpus nicht mehr lesen, nach der gestrichelten Linie kommt der neue Teil. Ich möchte mich schon jetzt für den Überlangen Text entschuldigen, kommt nicht mehr vor!
Im Ei
... Niva Liban ...
Ich spüre eine Präsenz... Bin ich es? Spüre ich mich selbst? Bin ich noch der, der mich einst erfüllte?... Leben... Oft hörte ich dieses Wort... "Lass mich am Leben"...
Nur Schemen. Das dumpfe Wissen, dass etwas war. Was genau?
Ist es wichtig?
... Tracho ...
Alte Zeiten, neues Wissen... Ich kenne mich nicht. Da ist etwas Altes an mir... Doch was ist alt? Bin ich es, ein Tracho? Einer derjenigen, die sie Tracho nennen? Warum sollte ich kein Mensch sein, was gibt mit die Sicherheit?
Es fehlt Wissen. Was ist Leben, was ist Alter, was sind Gedanken?
Warum kann ich denken, sprechen, fühlen?...
Schlaf... Schlaf ist nötig.
... Wermî ...
So nannte man es früher, in alten Zeiten. Ich bin mir sicher. Es ist Wärme. Sie ist es, die mir Gedanken verleiht. Da ist nichts Altes. Wie soll etwas Altes da sein, wenn ich nicht weiß, was Neues ist?
Doch woher kommt dieses Wissen? Wird es sich zeigen, in der Zukunft?
Kein Gefühl für die Zeit... Zeit bleibt mir ein Rätsel. Wie lange lebe ich schon? Vergesse ich ständig aufs Neue?
... Letargia ...
Ja, in alten Zeiten sprachen wir davon. Vergessenheit... Wir wollten oft vergessen. Vergessen wer wir sind. Nun habe ich vergessen, wer ich bin. Tracho... Wer waren wir, wer war ich?
Ich muss noch mehr Kraft sammeln. Wärme... Schon bald ist die Zeit gekommen aufzuwachen. Ich werde sehen, wie es weitergeht.
Es ist... þŷstr ... Schlaf.
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Spituvalþus, ein Wald
"Der Teufel soll dich holen, Edd, dieses elende Ding kommt mir nicht auf den Karren."
"Das ist wieder typisch! Deine eigene Sicherheit, die ja sowieso gewährleistet ist, ist dir wichtiger als das Geschäft. Dir würde es niemals auch nur im Traume einfallen, was Vater wohl tun würde, nicht wahr, Gerr?", erwiderte der Angesprochene, Edd.
"Meinst du tatsächlich, dass er glücklich wäre, würde er sehen, dass du zu einem solchen Hasenfuß geworden bist? Manchmal muss man Risiken eingehen."
Eine kurze Pause. Die beiden Brüder blickten sich gegenseitig in die Augen. Brüderliche Liebe war da, ohne Zweifel, doch im Angesicht der kleinsten Gefahr, ergriff Gerr stets die Flucht. Eine Reaktion, die einem Sprössling dieser einflussreichen Familie nicht würdig war. Doch dieses Mal hätte er vielleicht auch allen Grund dazu gehabt.
"Ich bin mir sicher, dass Vater sich eher im Grabe umdrehen würde, sähe er DICH. Wir wurden beide ins Bürgertum hineingeboren, haben Frauen und Kinder. Wir sollten auch an sie denken. Was ist, wenn uns etwas zustößt? Wir kennen dieses Gebiet kaum, Menschen gibt es so gut wie keine und die Gerüchte von diesem... diesem... Ding hier waren weit untertrieben. Und das will etwas heißen! Ich sag dir, da ist was faul. Und ich bin nicht bereit mit meinem Leben zu bezahlen, nur weil deine Abenteuerlust wieder untragbare Maße annimmt."
Die Minuten zogen vorbei, das Ding von dem die beiden Avilionen sprachen, rührte sich nicht vom Fleck. Kein Wunder: Es war ein Ei. Ein Ei von vielleicht zwei Ellen Höhe. Es sah einem Gelege des Großen Spützerlings nicht unähnlich. Der einzig wahre Unterschied bestand darin, dass es kalt war. Merklich kalt. Die Pflanzen, die den ansonsten dichten Pinienwald umgaben, siechten hier vor sich hin. Das Ei war von einem Kranz von gräulich-blauen Dornen umwachsen und musste schon längere Zeit hier liegen. Das aber konnte niemand sagen, denn dieses Gebiet war erst seit kurzem zugänglich. Durch den natürlichen Tunnel, der vor kurzem freigelegt wurde, war dieses Gebiet, komplett umschlossen von einem Gebirgskamm erstmals seit vielen Jahrhunderten wieder zugänglich geworden. Es gab hier einige kleine Dörfer, die die lange Isolation überstanden hatten. Freundliche Bauern und Jäger bewohnten dieses Gebiet. Eindeutig zurückgeblieben und Anhänger von oskuren, altertümlichen Riten, dennoch blieben sie Menschen. Und das Beste: Man konnte sich einigermaßen mit ihnen verständigen! Nun war es zumindest mit einem vertretbaren Aufwand verbunden, hier auf Entdeckungsreise zu gehen.
Nach einiger Zeit konnten Gerr und Edd sich einigen. Nachdem ihre Forschungs- und Handelsreise noch ein wenig nach Osten verlagern würden, würden sie zurückkehren. Mit einem Söldner (oder Schläger, wenn’s ein bisschen billiger sein soll) im Schlepptau würden sie das "Artefakt", wie sie es mittlerweile nannten, bergen.
Und so geschah es, dass dieses unscheinbare, allerdings ganz klar magische Objekt seinen Weg in ein Antiquariat von Avilion fand.